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 Betreff:Bodensee Radmarathon.. 12.09.2011 22:08 Uhr 
Uwe Richert
1. Vorsitzender
Mitglied seit: 11.12.2009 02:33 Uhr
Beiträge: 60
Ort
In Verbindung mit dem geplanten Wanderurlaub bot es sich an die Bodensee –Radrundfahrt mit zu nehmen. Wenn ich schon so weit fahre, dann sollte es auch der Marathon rund um den ganzen See werden. Also wurde kurzfristig noch vorgemeldet und ein Zimmer gesucht. Eine nette Pension hatten wir nur 3 km vom Startort Ailingen entfernt in Friedrichshafen gefunden. Schon bei der Anfahrt am Freitag merkten wir, dass es rund um den See voll sein würde, so voll wie es auf den Straßen war. Der Wetterbericht vermeldete für Samstag ideales Radfahrwetter, so dass sich wohl noch viele kurzfristig für einen Start entschieden. Die Nachmeldung kostete dann gleich noch einmal 8 € mehr, bei Voranmeldung waren schon happige 44 € zu entrichten. Dafür gab es am Freitag eine Startnummer die man für den Fotoservice am Lenker befestigen konnte, die Startkarte und ein blaues Armband für die Verpflegung. Den Startstempel gab es auch bereits am Freitag, so dass viele wohl direkt in die Strecke eingestiegen sind.
Am Samstag konnte man noch halbwegs ausschlafen, da der Start erst ab 7 Uhr angesetzt war. Bei frischen Temperaturen, in Erwartung eines heißen Sommertages, ging es in kurz und mit West auf die Strecke. Am Start in Ailingen war so gut wie nichts los, wer seine Startkarte hatte war wohl schon auf der Strecke und die Parkplätze waren nachmittags auch deutlich voller als jetzt in der Früh. Die erste Etappe führte einen von Ailingen in Richtung Eriskirch, wo man einmal kurz einen Blick auf den noch wolkenverhangenen Bodensee werfen konnte. Vorher musste man sich allerdings erst einmal an die Ausschilderung gewöhnen. Die Schilder waren in Deutschland nicht wie bei uns an den Verkehrsschildern angebracht, sondern steckten in Metallbügeln die direkt in den Boden gesteckt wurden. Wenn man sich einmal daran gewöhnt hatte, kein Problem. So kann man also auch die Anbringung an Verkehrsmasten umgehen. Auf um diese Zeit ruhigen Wegen ging es im weiten Bogen um Lindau herum nach Sigmarszell zum ersten Posten, wie die Kontrollen bei den Schweizern genannten werden. Zur Erinnerung, Ausrichter ist der schweizerische Verein RV Altenrhein. Die erste Etappe sollte 40 km lang sein, es waren dann etwas mehr als 35 km, so dass der Posten etwas überraschend auftauchte. Dafür war der nächste Abschnitt nach Altenrhein dann 5 km länger als angegeben, so dass es sich wieder ausglich. Der Rest stimmte dann aber. An der Kontrolle selbst gab es gestückelte Bananen, Riegel, etwas Süßes was schon nach Weihnachten schmeckte und in Folie verpackte kleine Stücke die Kuchen ähnlich schmeckten. Alles in allem in Ordnung, bei dem Startgeld aber auch wirklich nichts Besonderes. An der Kontrolle selbst war relativ wenig los, genauso wie bisher auf der Strecke.
Nachdem das Frühstück noch nicht lange her war konnte es schnell weiter gehen. Nach einer Abfahrt ging es rechts in eine kleine Seitenstraße und wir waren in Österreich. Nach einem weiteren Anstieg konnte man den See gut überblicken und über eine langgezogene Abfahrt ging es zum See hinab, der uns die nächsten Stunden begleiten sollte. Genau hier fand sich eine Gruppe von rund 10 Leuten mit denen es durch Bregenz ging. Man fährt hier leider mitten durch die Stadt, immer wieder durch große Hinweisschilder daran ermahnt bei Rot zu warten und die Radwege zu benutzen. Dies wurde auch befolgt, obwohl wir ziemlich flott unterwegs waren. Unser Vorfahrer kannte offenbar die Strecke, so dass wir trotz schneller Richtungswechsel immer den richtigen Weg fanden. Die Ampeln blinken hier immer, bevor sie auf gelb schalten, so dass man sich gut auf den Wechsel einstellen konnte, oder noch schnell beschleunigen um noch bei Grün über die Kreuzung zu kommen. Der Verkehr hielt sich „noch“ in Grenzen, trotzdem war man froh als man die Ampel und Bregenz hinter sich gelassen hatte. Kurz darauf erreichten wir die Schweizer Grenze, an der uns auch niemand aufhielt. Dafür standen an der nächsten Abzweigung sogar zwei Posten, die uns die Straße frei machten. Der nächste Schock kam dann an der ersten Tankstelle, der Diesel kostete hier 1,80. Irgendwann fiel mir dann ein, dass es ja SFR sein müssen, aber auch das sind noch 1,50 € und es muss mehr bezahlt werden als für Super Benzin. In Altenrhein dann das gleiche Bild an der Kontrolle, zusätzlich gab es hier noch Trockenobst, wobei mir vor allen die Ananas zugesagt haben.
Der nächste Abschnitt führt von Altenrhein über 44 km nach Tägerwilen, wobei man fast die gesamte Zeit auf der Hauptstraße unterwegs ist. Der Verkehr ist zwar nicht ganz so stark wie auf deutscher Seite, toll ist es aber auch nicht. Vor allem, da man den See auch nur dann und wann von weitem sehen konnte. Der direkte Weg am See ist in Privatbesitz und kann nicht genutzt werden. Interessant aber die Schilder am Straßenrand, ein Volksschiessen würde bei uns wohl kaum durchführbar sein. Auf der Gegenseite standen dazu große Plakate zur bevorstehenden Wahl, in denen dazu aufgefordert wurde die Masseneinwanderung in die Schweiz zu stoppen. Na ja, wir wollten ja auch nicht länger bleiben als notwendig. Die Gruppe habe ich dann irgendwann fahren lassen, weil sie mir zu schnell war. Den Rest des Weges habe ich dann alleine zurück gelegt und mich wieder ein wenig erholt. Hier gab es auch noch halbierte Käsebrötchen, wobei die Brötchen ziemlich weich waren.
Nach der Kontrolle ging es mit einem Radsportkollegen vom RV Anspach weiter, mit dem ich die nächsten 80 km bis Meersburg absolvierte. Er war schon um 5:45 Uhr los gefahren, um seine Vereinskollegen zu treffen die in Sigmarszell starten wollten, was ihm aber trotz allen Einsatzes nicht gelungen war. Dafür war er jetzt als erster vom Posten Meersburg aus unterwegs. Erst aber galt es den mit 29 km relativ kurzen Abschnitt nach Stein am Rhein zu absolvieren. Eine teilweise recht nette Strecke, da man über lange Zeit direkt am Seeufer fahren konnte, andererseits wurden wir auch immer auf den Radweg gezwungen, was oft den Fahrfluss deutlich bremste. Die sehr schöne Altstadt von Stein am Rhein ist aber auf jeden Fall einen Blick wert. Hier wurde vor allem getrunken, da sich die Sonne inzwischen doch durchgesetzt hatte und vom blauen Himmel schien.
Vor dem nächsten Abschnitt hatte ich ein wenig Respekt, sollte es über 50 km und einige Höhenmeter zurück nach Deutschland und nach Meersburg gehen. Es war aber weniger hügelig als befürchtet, dafür mussten wir mitten durch Radolfzell fahren. Warum man den Ort nicht umfährt bleibt das Geheimnis des Veranstalters, schön war es mal wieder nicht. Auf deutscher Seite fiel jetzt nicht nur auf das man die Radwege benutzen sollte, es war auch an fast jeder Stelle ein Posten der die Wegführung mit Hütchen markiert hatte und darauf achtete, dass man den Radweg auch benutzte. Allerdings waren auch die Ausfahrten entsprechend mit Hütchen markiert, so dass man problemlos in den Verkehr wieder einfädeln konnte. Viele Radwege haben hier allerdings auch Straßenbreite und sind somit sehr gut ausgebaut, man darf das nicht mit unseren Wegen vergleichen. Da wir oft an Hauptstraßen mit viel Verkehr unterwegs waren eine durchaus sinnvolle Maßnahme. Auf einem schmaleren Radweg ist mir dann allerdings noch fast ein folgenschwerer Unfall unterlaufen. Wir fuhren mit knapp 40 km/h bergab und begegneten einer Gruppe Fußgänger, die sich auch auf ihrer Seite rechts hielt Kurz bevor ich die Gruppe passierte scherte jedoch hinter der Gruppe ein total bescheuerter Tandemfahrer aus, der vorher nicht zu sehen war, und setzte zum überholen an. Der muss uns klar gesehen haben und hat den Überholvorgang trotzdem nicht abgebrochen. Da wir so schnell gar nicht bremsen konnten habe ich also versucht mich schmal zu machen, den Tandemfahrer aber trotzdem mit dem Unterarm am Lenker erwischt. Gestürzt ist Gott sei Dank keiner von uns, geschimpft habe ich aber trotzdem ziemlich laut und eine Prellung am Unterarm mit genommen. Die Tandemfahrer waren ganz offensichtlich völlig überfordert und nicht in der Lage unsere und ihre eigene Geschwindigkeit einzuordnen. Nach einigen Hügel gelangten wir direkt zur Fähre von Konstanz nach Meersburg. Hier warteten schon einige Radsportler und die Gruppe wurde zunehmend größer. Hier hatten uns die schnellen Leute von Meersburg eingeholt, die ebenfalls morgens um 7 Uhr gestartet waren.
Auf der Fähre wurden eifrig die Handys gezückt und Bilder gemacht. In Meersburg selbst wird man gleich nach links von der Stadt weg geleitet und fährt einige Meter am See entlang, bis einen ein freundliches Schild darauf hinweist zu schalten. Und dann geht es in die berüchtigte Steigung mit bis zu 13% hinauf zum Posten. Meinem Radsportkollegen ist Mitten in der Steigung eine Speiche gebrochen, aber den Weg bis ins Ziel hat er dann auch noch geschafft. Hier herrschte richtig Trubel, waren die Parkplätze auch Mobilcamp für Meersburg und wer hier parken wollte brauchte auf jeden Fall eine Parkschein. Nachdem ich mich bereits auf der Fähre gestärkt und ausgeruht hatte ging es schnell weiter auf meine letzte Etappe nach Ailingen.
Das letzte Stück war mit knapp 30 km noch einmal relativ kurz. Die Strecke verlief überwiegend durchs Hinterland durch Weinberge und Obstwiesen. Mit Sicherheit eines der schönsten Stücke der Runde. Allerdings war es jetzt auch ziemlich warm, also nicht unbedingt mein Wetter. Nach einer letzten Abfahrt und einem kleinem Hang bergauf war das Ziel nach 220 km und 9 Stunden (incl. Der circa 30 Minuten Pause bei der Fährpassage) wieder erreicht. Mein erster Radmarathon nach 10 Jahren und eine für mich ordentliche Zeit.
Die Helfer an den Kontrollen waren sehr nett und freundlich. Bei einem Startgeld von 44 € hätte ich aber deutlich mehr Vielfalt an den Kontrollen erwartet. Selbst wenn man berücksichtigt, dass alleine die Fähre mit 8,50 € laut Prospekt zu Buche schlägt, ein stolzer Preis. Dafür gab es neben der üblichen RTF-Verpflegung noch eine Medaille. Der Radmarathon lebt von dem Flair einmal um den Bodensee gefahren zu sein, es gibt aber definitiv bessere und schönere Touren in Deutschland, die deutlich weniger Verkehr aufweisen und ebenfalls gut organisiert sind. Wenn man in der Nähe ist kann man die Teilnahme in Erwägung ziehen, extra dafür zum Bodensee würde ich aber definitiv nicht fahren.

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 10092011092.jpg [290 KB] :: Warten auf die Fähre nach Meersburg
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Zuletzt geändert am: 12.09.2011 22:13 Uhr von Uwe Richert aus folgendem Grund
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