| André D. |
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Mitglied seit: 11.12.2009 03:26 Uhr
Beiträge: 21
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Hallo Zusammen,
hier mein Bericht zu dem Jedermann-Rennen in Recklinghausen. Vorweg: eine coole Veranstaltung, ein hektisches Rennen und eine sehr schöne Erinnerung. Doch eigentlich begann alles ganz anders...
Die erste schlechte Nachricht lieferte gestern schon der Wetterbericht: es soll regnen. Na toll, das kann ja was geben. Das zweite schlechte Omen, vor lauter Aufregung war ich heute morgens schon um 5 Uhr hell wach, was mit nur gute 5 Stunden Schlaf einbrachte. Beim leichten Einrollen vor Beginn des Rennens war ich so aufgeregt, das mein Puls bei minimaler Belastung schon viel zu hoch war... kurz um: das kann ja nichts geben. Zum Glück war ich aber nicht alleine, denn Stephan, Daniel und Joachim waren ebenfalls mit von der Partie, was mir persönlich Rückhalt gab. Auch war ich sehr positiv überrascht von vielen weiteren Vereinsmitgliedern, die uns das ganzen Rennen über lautstark einfeuern sollten - doch so weit war es noch nicht.
Nach dem Einfahren kam zunächst die Startaufstellung. Hier folgte ich dem Rad vieler Trainingpartner und so stellten Daniel und ich uns weit nach vorne in die dritte Reihe. Joachim und Stephan haben sich anscheinend noch länger eingefahren, sodass ich sie nur weiter hinten sah. Doch los ging es noch lange nicht, den die Strecke war noch nicht freigegeben, sodass das Führungsfahrzeug mehrmals den Startbereich passieren und dann die Runde abfahren musste, bis es endlich los ging. Lustig, wenn 160 Fahrer auf einer ca. 4m breiten Straße zwischen den Absperrungen stehen und ein ca. 2,5m breiter Geländewagen - das Führungsfahrzeug - mehrmals von hinten nach vorne durchrollte. Schon hier schien manch einem seine eingenommene Startposition wichtiger als die Vernunft, aber ich war so aufgeregt, dass mir das egal war. Daniel, der zum Glück neben mir stand war hingegen deutlich entspannter. Michael Zurhausen, der Sprecher, ließ es sich ebenfalls nicht nehmen und wünschte Daniel und mir im Vereinstrikot des RC Buer schonmal viel Erfolg, bevor er das internationale Startkommando gab. Los ging's!
Gut in die Pedale gekommen, direkt ein paar Fahrer überholt - aber natürlich nicht zu weit nach vorne gefahren - und an ca. 10 Positions eingereiht. Und hier merkte ich auch schon direkt den ersten Unterschied zum normalen Training. Trotz breiter und abgesperter Straße wurde mir oft Angst und Bange. Scheinbar von überall kamen plötzlich Fahrer und drängten sich irgendwo zwischen. Auf einem Quadrameter kamen so gefühlt 10 Vorder- bzw. Hinterräder.. in der 2. Runde knallte es daher auch beinahe vor mir, sodass ich erstmal nur ÜBERLEBEN wollte. Aus welchen Grund auch immer - war es das Adrenalin? - meinte ich mich darum in der 5 oder 6 Runde hinauf zur Bergwertung vom Feld absetzen zu müssen. Vor mir zog jemand an, kette rechts, hinter her. Oben angekommen, Blick über die Schulter, niemand da. Okay, jetzt fragt man sich, warum man zu Beginn eines Rennen, wo das Ziel aufgrund der starken und erfahrenen Konkurenz ist, nicht abgehängt zu werden, an dem Anstieg attackiert obwohl noch 55km zu fahren sind... hm... so richtig weiß das niemand, aber wurden die Runden zuvor nicht der erste Fahrer per Mikrofon durchgesagt? Stimmt, das wär doch was, wenn man schon nicht weiß, ob man zum Ende überhaupt noch mitkommt, kann man ja wenigstens mal als Erster über die Ziellinien gehen... vor mir war allerdings immer noch der Iniator dieser Attacke. Dieser Stellte sich offensichtlich nicht diese Fragen und war darum auch schon 50m vor mir. Aber zum Ziel ging es bergab, also volle pulle (Puls bei Oberkante Unterlippe). Hab ihn an der Ziellinie auch bekommen und da hörte ich auch meinen Namen Okay, tagesziel erreicht, Gang raus, zurück ins Feld 
Im Feld, und hier bemerkte ich den zweiten großen Unterschied z.B. zu einer RTF, musste man sich nicht auf bloß ein Hinterrad konzentrieren, sondern gleich auf gute 5 oder 6. Auch von hinten schob sich mal das ein oder andere Vorderrad bedenklich nah... achja, gerne gehen die Leute vor einem auch mal aus dem Sattel, was deren Hinterrad für gute 30cm nach hinten wirft...ausweichen kann man jedoch nicht, weshalb hier volle Konzentration gefordert war! Sehr hektisch und rücksichtslos das Ganze.
Mein Puls hatte sich übrigens mittlerweile wieder von meiner jungspundigen Aktion erholt. Teilweise war mir sogar kalt. Ein kurzer Blick auf mein Garmin verriet mir, das wir im Schnitt mit über 43km/h unterwegs waren, mein Puls jedoch nach oben noch viel offen lies. Leider war man häufig so eingeqäutscht, das man wenig machen konnte, als einfach nur mitzufahren. Da machten es Joachim und Stephan schon geschickter, immer wieder fuhren diese zur Bergwertung hinauf rechts am Feld vorbei, bevor es oben zu eng wurde, um zu überholen.
Mittlerweile waren 20km gefahren und alles war gut. Im angenehmen Puls Bereich im vorderen Teil des Feldes. Bei 30km war mir sogar langweilig, weil ich wusste, das noch 30km zu fahren waren. Doch permanente "Beinahe-Stürze" und einer halben Keilerei (bei guten 55km zum Ziel hinunter mussten zwei Fahrer sich gegenseiteig vom Fahrrad schubsen und am Trikot ziehen weil er eine den anderen geschnitten hatte) hielten mich auf Trap und bei voller Konzentration. Am Ziel gab es übrigens immer viel Jubel von den anderen Vereinsmitgliedern, Freunden und Verwandten. Irgendwann gingen auch mit Joachim der Pferde durch und er setze sich an die Spitze des Feldes. Christian kommentierte dies - vom Rand aus versteht sich - zu Stephan und mir - wir fuhren ca. 10 - 20 Meter dahinter - so: "Fahrt mal schneller und helft dem Joachim vorne". Gute Idee, leider gab es kaum eine Chance zu überholen. Entweder man riskierte es, in einer 20cm breiten Gasse zwischen Fahrerfeld und Absperrungsgittern einen Versuch zu starten, wobei diese Idee auch ständig Fahrer vor einem hatten und natürlich einfach hinaus zogen, sodass man Glück hatte, nicht daneben zu sein. Oder man blieb einfach da wo man war, weil sich ständig eh alles verschoben hat.
So, jetzt gings aber aufs Ende zu. Ca. 20m hinter der Spitze, aber mit gefühlten 60 Fahrern vor einem, wollte ich mich 5 Runden vor Schluss weiter nach vorne kämpfen. Auch hier wirkte sich die gefahrene 10er Reihe (ja, gefühlt 10 Fahrer nebeneinander ) kontraproduktiv aus. Auch in der letzten Runde kam man fast nirgends vorbei, da man ständig ausgebremst wurde.
ABER JETZT: letzte mal über den Berg und das leichte Gefälle hinab zum Ziel. Meine Beine sind gut. Puls sagt: noch 15 Schläge nach oben. Super. Klingt doch alles gut, wären da nicht die alten Hasen, die immer noch einen Trick auf Lager haben. Antreten ging nicht, ständig wurde man ausgebremst. Mit 60 Sachen fühlte ich mich zudem etwas unwohl, die Schlangenlinien-fahrenden und deutlich langsameren Fahrer vor mir zu überholen. Einige Teams fuhren hier komplett taktisch. Sie hatten einen Fahrer vorne und blockten bewusst die von hinten kommenden Fahrer ab. Ich weiß nicht mehr wie, aber den ein oder anderen habe ich noch überholt. Voll durchtreten konnte ich nicht, da mir mein Leben wichtiger war als 2 Plätze weiter vorne zu sein. Einige Fahrer haben ihr Glück z.B. Links versucht, wo aber dicht gemacht wurde, also sind sie dann mal über die komplette Strasse nach rechts gefahren. Etwas blöd, wenn man von hinten viel schneller kommt und dannn voll in die Eisen gehen muss....
Puh, jetzt war das Rennen vorbei! Letzte Runde ausgerollt und dann direkt zu meinem Schatz, die mich die ganze Zeit tapfer angefeuert hat. Als die Top-Ten vorgelesen wurde, fiel mein Name an 5. Stelle. Aber im Sprint waren mindestens noch 10 Leute vor mir. Ob deren Transponder kaputt war oder ob diese sich nach Überrundung wieder ins Feld gemischt haben weiß ich nicht. Also erstmal die offiziellen Ergebnislisten abwarten! Ich bin trotzdem froh, mein erstes Rennen überstanden zu haben. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung. Die große Hektik hat leider dafür gesorgt, das wird nicht wirklich in einem Team fahren konnten. Dennoch sind auch alle anderen vom RCBW Heil ins Ziel gekommen und waren alle glücklich und zufrieden mit ihrer Leistung. Zum Glück hat sich also alles anders entwickelt, wonach es zu Beginn aussah. Auch das Wetter blieb trocken! 
Nächste Woche geht's nach Dorsten, zur Kreismeisterschaft. Da wird der Kurs aber etwas härter sein, da dieser zwei 180° Kehren enthält, wo man schön wieder Antreten kann 
Soviel erstmal von mir, vllt. mag ja auch noch der ein oder andere seine Impressionen schildern? In der ganzen Hektik habe ich bestimmt was vergessen! 
Viele Grüße
André |
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